Das IOC will bei Olympia den Einsatz für Menschenrechte verbieten

Das Internationale olympische Komitee (IOC) verfolgt auch in Russland den Weg der „unpolitischen Spiele“. Ihren Athletinnen und Athleten will sie verbieten, sich in irgendeiner Form gegenüber den Menschenrechtsverletzungen in Russland an Homosexuellen zu äußern. Dabei erzeugen sie damit selbst ein politisches Signal – eines gegen Vielfalt und die Menschenrechte.

Jacques Rogge versucht als Präsident des IOC Olympiateilnehmenden die politische Meinungsäußerung zu verbieten

Bereits in Peking 2008 reagierte das IOC angespannt auf Olympiateilnehmende, die sich zu den Menschenrechtsverletzungen in China öffentlich äußern wollten oder dies getan haben. In Russland soll nun jeglicher Protest von den Olympioniken unterbunden werden (siehe hier). Das IOC droht Sportler*innen mit Ausschluss, die sich in irgendeiner Form zu den Repressionen Homosexueller in Russland kritisch äußern.
Grundlage hierfür soll die Olympische Charta sein, nach der „politische, religiöse oder rassenbezogene Propaganda an den olympischen Stätten, Austragungsorten oder anderen Bereichen“ verboten sei. Die Olympischen Spiele als unpolitische und schnöde Unterhaltungssendung?

Das sind sie nicht und waren es auch nie. Schon ihre Entstehung lag ganz im Zeichen von Politik und dem Einsatz für eine friedlichere und tolerantere Welt (siehe wikipedia). In Wahrheit geht es den Verantwortlichen darum, ihre Geldmaschinerie am Laufen zu halten. Ähnlich wie die Fußballweltmeisterschaften. Wer möchte noch eine Großsportveranstaltung in seinem Land haben, wenn er mit ständiger Kritik an seiner eigenen Politik rechnen muss?

Die olympischen Spiele sind aus dem Wunsch heraus entstanden, die Menschen auf dieser Welt zu einem solidarischen Miteinander zu bewegen und den Frieden zu sichern. Solidarität und Frieden gelten für alle Menschen, nicht nur für diejenigen, die das andere Geschlecht bei ihrer PartnerInnenwahl bevorzugen.

Aus Protest wurde vor der russischen Botschaft in Schweden der Zebrastreifen in den Regenbogenfahnen angestrichen.

Insofern ist es wieder einmal beschämend, dass die Führung des IOC unter dem Deckmantel der nicht-politischen Veranstaltung kritische Stimmen, die sich für die Menschenrechte einsetzen, zum Schweigen bringen will. Olympia ist nicht unpolitisch und kann es nicht sein. Überall prangen Werbetafeln, für die olympischen Spiele setzen sich Millionen Menschen in Bewegung. Politik spielt sich nicht nur in den Parlamenten ab, sondern überall dort, wo Menschen zusammenkommen.

Wenn die olympischen Spiele nicht politisch wären, dann bräuchte das IOC die Politik bei ihrer Olympiade auch nicht zu verbieten. Mit ihrem Verbot spielt sie aber der Meinungsfreiheit und dem Einsatz für die Menschenrechte ein übles Spiel und gibt den Verantwortlichen in Russland Recht mit ihrer Politik – ein fatales Signal.

Umso erfreulicher, dass sich bei der aktuellen Leichtathletik-WM in Moskau einzelne Sportler*innen für Toleranz und die Menschenrechte stark machen (siehe u.a. hier).

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2 Gedanken zu “Das IOC will bei Olympia den Einsatz für Menschenrechte verbieten

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