Spielfilme über die Finanzkrise und die Gier

Vergessen werden in allen globalen Krisen schnell die Menschen, die die Krisen befeuert haben und die Menschen, die sie stillschweigend hingenommen haben. Und die Menschen, die die Hauptleidtragenden sind und noch weniger als zuvor besaßen.

Das Kino hat in einigen Filmen diese Menschen thematisiert: Den Investmentbanker, der scheinbar gewissenlos die Zahlen auf dem Bildschirm tanzen lässt und mit Milliarden jongliert, als wären es Centstücke, die Menschen, die in ihrer gefühlten Ruhe leben, bis die Ereignisse sie umwerfen und vor dem Nichts stehen lassen. Es sind nicht viele Filme, immer noch regiert in der amerikanischen Unterhaltsindustrie das Mantra „the show must go on“. Aber einige thematisieren es doch, zeigen die Schattenseiten des „american dream“ und sie sind es wert, erwähnt und gesammelt zu werden.

Film vergessen? Schreib mir einfach.

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Wolf on Wall street
(USA, 2013)
Spielfilm von Martin Scorsese. Ein New Yorker Börsenhändler ergaunert sich mit Betrügereien ein Millionenvermögen. Er finanziert sich einen ausschweifenden Lebensstill und einen immensen Drogenkonsum. Doch dann wird die Börsenaufsicht auf ihn aufmerksam und die Justiz ermittelt in seinem Fall. Der Film kommt im Herbst 2013 in die Kinos.
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Assault on Wall Street (USA, 2013)
Ein Sicherheitsmann und seine an Krebs erkrankte Frau schlagen sich durch den Alltag. Er schuftet sich in seinem Job halbtot, um das Geld für ihre Krankenhausaufenthalte aufzutreiben, doch der Schuldenberg wächst immer weiter. Als das in Aktien investierte Vermögen aufgrund von Fehlentscheidungen im Management der Investmentfirma verloren geht und es absehbar ist, dass die Rechnungen bald nicht mehr bezahlt werden können, wählt seine Frau den Freitod. Er beschließt daraufhin Rache an den aus seiner Sicht Verursachern der Krise und den Fehlspekulationen zu nehmen.
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Side effects (USA, 2013)
Schockierender Film über eine mitleidlose Gesellschaft. Nachdem ihr Mann wegen Finanzbetrug ins Gefängnis gehen musste, erleidet sie Depressionen. Als er wieder entlassen wird, begeht sie einen Selbstmordversuch und bekommt ein neuartiges im Rahmen einer Studie getestete Medikament verschrieben. Daraufhin bringt sie im Medikamentenrausch ihren Mann um. Ihr Psychiater versucht den Medikamentenmissbrauch und die Skrupellosigkeit, mit der die Pharmaindustrie und die Wall-Street-Händler mit dem ominösen Medikament Geld verdienen, aufzudecken. Dabei stößt er auf ein schreckliches Geheimnis seiner Patientin.
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Papadopoulos & Söhne (GB, 2012)
Ein erfolgreicher Banker verliert aufgrund illegaler Geschäfte während der Finanzkrise sein gesamtes Vermögen. Nur einen Fish&Chips-Laden kann er retten, da ein ihm fast unbekannter Verwandter Miteigentümer ist. Statt das Geschäft zu verkaufen, will dieser ihn aber wieder instand setzen und neu betreiben. Es beginnt eine amüsante Story rund um den Aufstieg im kapitalistischen System. Die Komödie stellt kein grundkritisches Werk über das Banken- und Finanzwesen dar, sondern versucht, neben der verklärenden „Der Markt regelt das von allein“-Rhetorik und der fundamentaloppositionellen Position eine Art dritte Perspektive auf die Geschehnisse und Missstände aufzumachen.
Internet: http://www.papadopoulos-und-soehne.de/
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Killing them softly
Düster gezeichnetes Bild von der amerikanischen Gesellschaft und der dunklen Seite des american way of life. Gelegenheitsräuber planen, ein illegales Pokerturnier zu überfallen, um ihrer alltäglichen Tristesse und ihren Schulden zu entkommen. Nach dem Überfall entbrennt eine Serie von Auftragsmorden. Laut Wikipedia war der Film wohl auch wegen seines für die USA ungewohnt politischen Anpruchs ein Flop geworden. Immer wieder werden im Film Nachrichten über Sparmaßnahmen und Wirtschaftseinbrüche eingebaut und so versucht, eine Verbindung zwischen den wirtschaftlichen Entwicklungen und den kriminellen und brutalen Niederungen der Menschen zu erzeugen. Das Schlußwort, gesprochen von Brad Pitt,  ist geprägt von Ideallosigkeit und gesellschaftlicher Abneigung.
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Too Big to Fail (USA, 2011)
Amerikanisches TV-Dokudrama, das die Ereignisse rund um die Finanz- und Wirtschaftskrise versucht nachzuzeichnen. Von Schauspieler*innen nachgespielte Szenen wechseln sich mit originalen Fernsehbildern ab. Das Drama versucht einen großen Bogen von dem Beginn der neoliberalen Politik bis zu heutigen Megabanken zu ziehen. Bisher auf deutsch nicht erschienen, aber bei youtube in der englischsprachigen Version zu sehen (siehe hier).
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Aushilfsgangster (USA, 2011)
Über Jahre hinweg veruntreut ein Vorstandsvorsitzender einer großen Investmentfirma die Gelder seiner Kunden. Unter anderem auch die Pensionseinlagen der Angestellten seines Hotels. Als die von dem Betrug mitbekommen, fassen die den Entschluss, sich das Geld wiederzuholen und den Mulitmillionär auszurauben.
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Der große Crash – Margin Call (USA, 2011)
Die Risikoabteilung einer großen Investmentfirma kommt in ihren Rechnungen zu dem Ergebnis, dass die Firma in erheblichen finanziellen Nöten steckt und deren Papiere keinen Wert mehr besitzen. Daraufhin beschließt die Geschäftsleitung, in vollem Wissen über die verheerenden Konsequenzen, die Papiere abzustoßen. Es beginnt eine rasante Abfahrt durch den New Yorker Wall street – Dschungel, bei dem alle versuchen, ihren eigenen Kopf zu retten. Der Film gibt einen Einblick in die Gedankenwelt der Broker und Trader und stellt die Zahlen- und Geldfixiertheit in den Vordergrund.
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Wall Street: Geld schläft nicht (USA, 2010)
Fortsetzung des Films Wall Street von 1987. Der am Ende des ersten Films wegen Betruges inhaftierte Börsenhändler kommt wieder auf freien Fuß und jongliert mit Millionen Dollar-Beträgen auf dem Börsenparkett. Dabei ignoriert er seine Tochter und ethische Bedenken. Ein Versuch, in die Gedankenwelt von Börsenhändler zu blicken und die Absurdität der hohen Summen von Gewinnen und Verlusten deutlich zu machen.strich
lehmannbrothersThe Last Days Of Lehman Brothers (GB, 2010)
Britischer Fernsehfilm, der auf den Ereignissen rund um die Pleite der amerikanschen Großbank Lehmann Brothers basiert. Versuch, einen sehr intimen EInblick in die Abläufe und Hintergründe rund um den großen Crash zu liefern. Nicht auf deutsch erschienen aber in der englischsprachigen Version im Netz zu sehen (siehe hier).
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The International (USA, GB, DE, 2009)
Eine internationale Großbank gerät wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Unterstützung organisierter Kriminalität in die Ermittlungen eines Agenten von Interpol und einer Beamtin der New Yorker Staatsanwaltschaft. Wilde Schießereien wechseln mit persönlichen Eindrücken der Protagonisten, die versuchen, die Habsucht der Banker aufzudecken. Im Film wird die Verstrickung zwischen den Großbanken und der Politik auf brutale Weise deutlich gemacht.
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Inside Job (USA, 2010)
Dokumentarfilm, allerdings prominent in Produktion und Dreh besetzt und in Spielfilmlänge, deshalb hier mit aufgeführt. Matt Damon führt die Zuschauenden als Sprecher im Off durch den Beginn der Finanzkrise in Island, über den weiteren Verlauf und die Ausbreitung auf den halben Erdball, bis zu den Konjunkturpaketen und Spardiktaten. Die amerikanische Finanzpolitik wird kritisch und die Lupe genommen, genau wie das Geschehen auf den internationalen Finanzmärkten.
Inside Job gewann einen Oscar und einige weitere Preise.
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Liste von Dokus
(Bei der hier verlinkten Seite „zeitgeist online“ handelt es sich nicht um die verschwörungstheoretische Bewegung „Zeitgeist“:
http://editor.zeitgeist-online.de/2012/07/07/doku-inflation-zur-finanzkrise-die-besten-filme-mit-kritischem-anspruch/

Liste von Kurzfilmen:
http://www.shortsattack.com/raus-aus-der-krise/

Liste von älteren Filmen:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/die-filme-zur-finanzkrise-geld-stinkt-doch-1.1013587

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4 Gedanken zu “Spielfilme über die Finanzkrise und die Gier

  1. Hallo, werte(r) Unbekannte(r),

    danke für das Verlinken meines Beitrags über relevante Dokus zur Finanzkrise. Leider haben Sie nicht zu Ende recherchiert. Das Magazin „zeitgeist“, das ich seit 1998 herausgebe, hat mit dem Zeitgeist-Movement (vor dem Sie hier warnen und das auf Basis des Filmes „Zeitgeist – the Movie“ von Peter Joseph 2007/2008 entstand) nur eine zufällige Namensgleichheit. Lesen Sie zur Abgrenzung die Philosophie meines Verlages unter http://zeitgeist-online.de/ueber-den-verlag/philosophie.html. Ich möchte Sie bitten, dies in Ihrem Beitrag richtigzustellen.

    Danke und freundliche Grüße,
    Thomas Röttcher

    P. S.: Schade, dass Sie sich nicht trauen, unter Ihrem Klarnamen zu publizieren. Das täte nicht nur der Glaubwürdigkeit Ihrer Beiträge gut, auch wüsste man dann, ob man es mit einem menschlichen Wesen und mit einer Institution zu tun hat.

    • Danke für den Hinweis, da hab ich nicht genau die Seite studiert oder es wäre eine Überlegung, diese Abgrenzung noch prominenter zu platzieren. Werde das aber natürlich gleich sofort anpassen.
      Zur Anonymität:
      1. der Blog befindet sich noch in einem gewissen Experimentierstadium und im Internet können Experimente schnell missverstanden werden.
      2. ist aus meiner Sicht der Inhalt relevant, weniger die jeweilige Person dahinter und deshalb finde ich anonyme Blogs vollkommen in Ordnung.
      Aber das ist nicht in Stein gemeißelt und ändert sich vielleicht noch einmal.

  2. Danke für die Richtigstellung. Noch ein paar Worte zum Thema Abgrenzung: Wenn man publizistisch tätig ist (oder als Multiplikator anderer Art), gebiert es, dass man immer genau recherchiert, bevor man sich zu etwas positioniert. Denn man ist dann Meinungsbildner – und hat Verantwortung. Selbst ohne den Hinweis in unserer Verlagsphilosophie sollte der engagierte Leser beim Anlesen einiger Beiträge unschwer erkennen, dass wir nicht irgendwelchen Bewegungen angehören, sondern uns seriösem Journalismus verschrieben haben. Oder aus anderer Sichtweise gesagt: Mündigkeit ist meiner Überzeugung nach stets Holschuld, niemals Bringschuld.

    Zur Anonymität: Ich kann nachvollziehen, dass sich manche Leute lieber anonym im Netz bewegen (wobei in exzessiven NSA-Überwachungsaktivitäten noch zu prüfen wäre, inwieweit Anonymität heute überhaupt noch existiert). Sobald man aber eine eigene Seite betreibt, halte ich es den Lesern gegenüber für fairer, sich zu zeigen. So ist z. B. offensichtlich, ob es sich um PR oder nicht-gekaufte Meinung handelt, ob der Autor Männlein oder Weiblein ist, ob es eine gereifte Persönlichkeit oder ein Newcomer ist uvm. Das lässt das Interesse steigen. Sie werden sehen, dass sich nach einem „Outing“ Ihre Leserschaft schneller vermehren wird. Auch ich würde dann häufiger mal vorbeischauen.

    Einen schönen Abend noch,
    Thomas Röttcher

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