FDP will investigative Tierschutzrecherche stoppen

Die agrar- und ernährungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Christel Happach-Kasan hat sich in einer Pressemitteilung vor drei Tagen dafür ausgesprochen, dass investigative Aufnahmen von Grausamkeiten und Misständen in der Tierhaltung nicht mehr für öffentliche Berichterstattungen genutzt werden dürfen (siehe hier). Wenn die staatlichen Stellen ihre Aufgaben pflichtgemäß erledigen und das Tierschutzgesetz ausschließlich eine leidlose Haltung legitimieren würde, wäre das kein Problem. So ist es aber eine herzlose Frechheit.

Anfang September berichtete das ARD-Magazin „Fakt“ über katastrophale Haltungsbedingungen in deutschen Bioputenställen (siehe hier), genau wie der Spiegel (siehe hier). Grundlage für die Sendung waren Aufnahmen der Tierrechtsinitative Animal Rights Watch (Ariwa). Diese Aufnahmen entstanden illegal. Die Aktivist*innen nahmen die Gefahr von Anzeigen bezüglich Hausfriedensbruch auf sich, um zu dokumentieren, wie herzlos und wie brutal Menschen mit Tieren umgehen. Dieses Engagement ermöglicht es, diese Skrupellosigkeit aufzudecken, Debatten zu entfachen und die Täter anzuzeigen.

Investigative Recherche ist erforderlich
Es ist irritierend, wenn unter diesen Umständen ein Mitglied einer Fraktion im Bundestag meint, investigative Aufnahmen aus Ställen heraus dürfen nicht für die Berichterstattung im Fernsehen verwendet werden.
Ich frage sie, wie sollen die Missstände und Gräueltaten aufgedeckt werden. Stallbetreibende werden niemanden von sich selbst aus darauf aufmerksam machen und die deutschen Amtstierärzte versagen leider viel zu oft bei ihrer Arbeit oder sind selbst Bestandteil des Tierausbeutungssystems. Es braucht engagierte Aktivist*innen im Tierschutzbereich, genau wie beim Thema Rechtsradikalismus, bei dem illegal Aufnahmen von Konzerten und Treffen gemacht werden (z.B. hier), beim Kindesschutz, wo letztens die Misshandlungen von Kindern durch fundamentale Christ*innen anhand von Filmaufnahmen aufgedeckt wurden (siehe hier). Grausamkeiten und Misshandlungen rechtfertigen investigative Recherche einer engagierten Zivilgesellschaft, sie erfordern sie sogar oder wollen sie sich bei den anderen genannten Recherchen ebenfalls gegen die Aktivist*innen stellen?Der Vorstoß der FDP dient nur dazu, engagierte Aktivist*innen in eine Ecke mit kriminellen Straftätern zu stellen, die wahren Verbrecher zu schützen und das Versagen des Staates im Tierschutz zu verschleiern. Es sind die Tierschützer, die das Verbrechen begehen, sondern die Stallbetreibendendie sich für ausgebeutete und gequälte Lebewesen einsetzen und die Stallbetreibenden, die diese Tiere misshandeln und schunden. Diese Stallbetreibenden sind die Verbrecher und gehören auf die, im übertragenen, als auch im tatsächlichen Sinne Anklagebank! Nicht die Menschen, die sich für ein leidloses Leben von Tieren einsetzen!

Was vielleicht wirklich dahintersteckt
Tatsächlich scheint der Vorstoß der FDP-Abgeordneten einen anderen perfiden Hintergedanken zu besitzen: das tatsächliche Verbot investigativer Aufnahmen in Tierställen und deren äußerst harte Bestrafung, wie es bereits in den USA versucht wurde (siehe hier). Mit einem versagenden Kontrollsystem ergibt sich so ein Freibrief für Tierhaltende, mit „ihren“ Tieren umzugehen, wie sie wollen. Solch eine Gesetzeslage darf sich nicht durchsetzen und deshalb ist es so wichtig, jeglichen Tendenzen, die versuchen, aus den Aufklärern Kriminelle zu machen, entgegenzutreten und den wahren Hintergrund aufzudecken (deutlich): das als reines Produktionsgut missbrauchte Tier weiter ungestört ausnutzen zu können.
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