Grüne Woche(1):Tradierter Bauernhof trifft gewissenlosen Hedgefonds

„Grüne Woche demaskieren“ ruft ab Freitag zu Aktionen und Protest gegen die Messe auf – warum eigentlich?

Traditionsbewusst und fast schon ein wenig ehrwürdig möchte sich die internationale Landwirtschaftsmesse Grüne Woche präsentieren. Stolz blickt sie auf ihre Vergangenheit zurück und hält an gewissen Traditionen fest. Zum Beispiel der Ort oder das Logo. Gleichzeitig will sie aber auch modern und innovativ sein. Man könnte auch sagen, die Grüne Woche steht maßgeblich für den Konservatismus in unserer Gesellschaft, der den Anspruch hat, Bewährtes behutsam mit dem Neuen zu verbinden. Tatsächlich geht er aber eine unheilige Allianz mit dem Neoliberalismus ein, für den sich nur das bewährt, was Profit und Rendite abwirft. Tradierter Bauernhof trifft gewissenlosen Hedgefonds sozusagen.

Beobachten lässt sich das einerseits gut an den Ausstellern, die vom mittelständischem Biobetrieb bis zur Agrolobbyorganisation alle zusammenbringt (siehe Ausstellerliste), andererseits aber auch an der Ausrichtung der Messe. Das offizielle Motto: „Vielfalt verführt“. Das inoffzielle: „Fresst, solange ihr könnt und uns euer Geld dafür gebt!“ Laut einer Pressemitteilung der Grünen Woche, werden pro Besucher*in mehr als 100€ dort gelassen (siehe hier). 100€ fast ausschließlich für Essen. Bei circa 400.000 Besucher*innen (siehe hier) kommt da schon eine ganz schön stolze Summe zusammen. Das bildet auch gut ein Grundproblem moderner Landwirtschaft ab. Denn anders, als es uns die Grüne Woche versucht deutlich zu machen, sind es nicht die bodenständigen Bauern und Bäuerinnen, die jeden morgen aufs Feld gehen und romantische Landwirtschaft betreiben. Es sind moderne Geschäftsmänner und -frauen, die immer mehr zum Objekt des internationalen Finanzgebarens werden. Spekulation mit Lebensmitteln, Patentierung von Saatgütern, Gentechnik, Bildung von Agrokonzernen, usw.
Landwirtschaft ist im 21. Jahrhundert dem strammen Diktat des Welthandels unterworfen. Die negativen Folgen für die landwirtschaftlichen Betriebe, durch den ständigen Druck mit dem geringsten Preis den höchsten Absatz zu erzielen, lassen sich in Europa und den USA nur durch immense Subventionen für die Landwirtschaft abfedern. Dafür schlagen diese Folgen, ungleich verstärkt duch die Subventionen, in den südlichen Staaten mit voller Wucht zu. Für mehr zum Zusammenhang zwischen Welthandel und Welthunger sei auf einen Artikel auf der Seite der Gruppe Grüne Woche demaskieren verwiesen (siehe hier).

Wohl auch aus diesem Grund spendet der auf der Messe zu bestaunende „Erlebnisbauernhof“ („Tiertransporte sind Tierschutz„) 20.000€ an die Welthungerhilfe. Um das eigene Gewissen bei der ganzen Schlemmerei zu beruhigen, können aber auch die Messebesucher selbst direkt vor Ort Spenden abgeben. Die Welthungerhilfe ist nämlich, wie schon die letzten neun Jahre zuvor, mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten (Spende und Stand siehe hier). Auch Transfair, die Initative, die das Fairtrade-Siegel vertreibt und die Gepa, die mit ihrem eigenen Fairtrade-Siegel aktiv ist, beteiligen sich mit einem Stand an der Messe (siehe hier und hier). Welche Taktik verbirgt sich dahinter, sich als soziale Initative bei der Überkonsum-Messe Grüne Woche zu präsentieren?

In der Liste der Aussteller lässt sich regelmäßig das Wort „nachhaltig“ und vorallendingen „bio“ lesen. Tatsache ist, dass die meisten Aussteller die Worte Nachhaltigkeit und Ökologie nur in den Grenzen der Marktwirtschaft akzeptieren können. Nur solange der Profit stimmt und die Verbraucher*innen es sich leisten können, sind bio und fairtrade cool. Und dass bio nicht bio ist, sondern auch eine große Belastung für Mensch und vorallendingen Tier ist, ist schon öfter dargestellt worden (siehe hier).

Zu den Problemen der Kommerzialisierung der Landwirtschaft, äußert sich die Grüne Woche nicht. Sie treibt das schöne Spiel von der idyllischen Landwirtschaft weiter und igorniert die Schwierigkeiten, vor denen die Landwirtschaft und mit ihr die gesamte Welt stehen.

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