Die Bild-Zeitung und das Betrügen: Je reicher desto weniger kriminell

Seitdem die Finanzkrise in Griechenland heftig zugeschlagen hat, drischt die B*ld-Zeitung auf das Land am Mittelmeer ein. „Pleite-Griechen“, „Betrüger“ und immer wieder das Wort „Steuersünder“ (mehr dazu hier). Auch beim Thema HartzIV hat das Blatt ordentlich auf die „Sozialbetrüger“ draufgehauen und die Stimmung angeheizt (bsw. „Florida-Rolf“ oder aktuell hier ). Beim Thema Steuerhinterziehung von reichen Deutschen werden aber plötzlich ganz andere Töne angeschlagen. Groß titelt die Zeitung heute:

Die heutige B*ld-Titelseite im Online-Format

Die heutige B*ld-Titelseite im Online-Format

und präsentiert Menschen, die „beichten“, genauso wie die großen „Steuersünder“ Schwarzer, Hoeness und Co, auch betrogen zu haben (Aufreisser siehe hier). Der Eine, wie er seine Freundin betrogen hat, die Andere, wie sie als Erotiktänzerin ihr Geld verdient hat, ohne ihrem Freund davon etwas zu erzählen und der Pastor rechts im Bild „beichtet“, dass er im Mathmatik-Unterricht gespickt hat. Steuerhinterziehung im drei- und vierstelligen Bereich wird mit kleinen und größeren Unehrlichkeiten im Alltag gleichgesetzt. Die Strategie? Die Millionen-Hinterziehungen der Promis sind ja gar nicht so schlimm, schließlich begehen wir alle unsere „kleinen Sünden“.

In einem anderen Artikel listet B*ild die Steuerhinterziehungen verschiedener Prominenter auf. Statt wilder Empörungsschreie und Anschuldigungen, wird nur aufgelistet und von dem „Steuer-Ärger“ der Promis gesprochen (siehe hier). Als ob es eine lästige Einmischung des Staates wäre, bei Steuerhinterziehung zu ermitteln.

In einem Rückblick zu einer Talkrunde bei Maybritt Illner vom 07.02. wird eine Behauptung eines Fachanwalts für Steuerrechtmit den Worten hinterfragt: die „kühne These vom Steuer-Fachwanwalt, nach der Steuerhinterziehung in Deutschland angeblich ein Volkssport sei“. Plötzlich wird differenziert und es gibt keine Beleidigungen und vorschnelle Verurteilungen. (siehe hier)

Selbst der Chef-Polemiker von B*ld Franz-Josef Wagner schreibt in seiner Diffamierungs-Kolumne zu der Steuerhinterziehung von Schwarzer: „Aber wer ist schon perfekt. Ich kenne niemanden.“ (siehe hier)

Einseitig ist der Umgang der Zeitung mit Betrug in seinen verschiedenen Formen. Es scheint, als würde die Formel lauten, je ärmer desto krimineller und schlimmer und je reicher desto verständlicher und weniger kriminell. Vielleicht läuft die Zeitung einfach der kapitalistischen Denkweise hinterher, wer mehr Kapital erwirtschaftet, darf sich auch mehr rausnehmen. Oder sie will sich mit den Reichen und Mächtigen in diesem Staat gut stellen. Auf jeden Fall ist dieser Umgang erneut eine Blamage für ein Nachrichtenblatt, das sich Investigativismus und Aufklärung auf die Fahnen geschrieben hat und eine Beleidigung für alle Leidtragenden ihrer einseitigen Berichterstattung.

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