Nach Conchita Wurst: Norm-Institut entwickelt DIN-Mann und DIN-Frau

Nachdem der Künstler und Dragqueen Conchita Wurst beim ESC den Sieg davongetragen und dies teils heftige diskriminierende Reaktionen hervorgerufen hatte, gab nun das Deutsche Institut für Normung (DIN) eine Norm-Empfehlung für den DIN-Mann und die DIN-Frau heraus. Mit eindeutigen Kriterien soll definiert werden, wie der Standard-Mann und die Standard-Frau auszusehen haben. Auf diese Weise wolle man „zukünftige Irritationen vermeiden und den verletzten Gefühlen, die heteronormative Menschen bei dem Anblick und der Begegnung von nicht-genormten Menschen bekommen können, entgegenkommen“.

Mann oder Frau? Viele Menschen fühlen sich verwirrt und zu Diskriminierungen gezwungen

Laut des DIN solle sich niemand den Kriterien verpflichtet fühlen, sondern könne sich weiterhin so anziehen wie er/sie mag. „Wir wollen keine Sittenpolizei, aber mit dieser Norm möchten wir eine Empfehlung abgeben, wie Menschen mit der entsprechenden Kleidung und dem passenden Auftreten Missverständnissen aus dem Weg gehen können.“, sagt Jürgen Raschnitz, Leiter der Arbeitsgruppe Geschlecht in dem Institut. Außerdem könnten Veranstaltungen wie der ESC sich unter dem Code DIN 4001 als „geschlechtsstandardisiert“ zertifizieren lassen und damit deutlich machen, dass keine „irritierende Anblicke zu erwarten sind“.

Das Deutsche Insitut für Normung hatte bereits länger an einer Norm für den Mann und die Frau gearbeitet. „Überall tauchen immer mehr Menschen auf, die schlechter als eindeutig männlich oder weiblich identifiziert werden können.“, sagt Raschnitz. „Viele Menschen fühlen sich deshalb verwirrt und genau diesen Menschen wollen wir mit einer Normierung der Geschlechter helfen.“ Diese verwirrten Personen sollen sich dadurch weniger diskriminiert fühlen und nicht mehr dazu gezwungen sein, nicht-genormte Menschen ausgrenzen und bedrohen zu müssen.
„Welchen bessere Schutz vor Diskriminierung gibt es, als wenn es gar keine Menschen gibt, die diskriminiert werden können?“, fragt Jürgen Raschnitz. Auch Staaten wie Russland oder die Türkei könnten zukünftig Normen für Geschlechter einführen. „Obwohl es ja in einigen Staaten bereits inoffizielle Definitionen und Normverfahren gibt.“, meint der Leiter.

Nach eventuellen Abweichungen gefragt, sagt Jürgen Raschnitz, dass es natürlich immer kleinere Abweichungen von dieser Norm gibt. Aber die Ausnahmen könnten weniger werden, wenn die entsprechenden Personen an ihrem Aussehen und ihrem Auftreten arbeiten.

dinmerkmaleDie wenigen Kriterien bei der Kleidung und die Unterschiede zwischen DIN Mann und DIN Frau erklärt Raschnitz mit den gewandelten Wertevorstellungen in der Gesellschaft. „Wir haben bei unseren Kriterien gesellschaftliche Umstände mit einbezogen. Heutzutage ist es ganz normal, dass Frauen auch Hosen oder kurzes Haar tragen.“, sagt er. „Hauptsache es ist einigermaßen eng am Körper anliegend und damit Rundungen betonend.“ Dagegen sei es immer noch merkwürdig, wenn ein Mann keine Hose, sondern ein Kleid trage. Darauf angesprochen, wie das Institut beispielsweise mit Schottenröcken umgehen will, antwortet Raschnitz, dass sie bereits über die Sondernorm DIN Schottenmann nachgedacht hätten.

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Alternative für Deutschland prügelt sich durch den Europawahlkampf

Zur Bundestagswahl 2013 sah sich die Alternative für Deutschland (AfD) immer wieder Störungen in ihrem Wahlkampf ausgesetzt. Im Europawahlkampf hat sie sich offenbar vorgenommen, darauf mit roher Gewalt zu reagieren und setzt prügelndes Sicherheitspersonal ein. In vielen Städten kommt es zu teilweise schweren Angriffen auf couragierte Gegendemonstrierende. Eine mehr als unvollständige Auflistung.

Die Abläufe ähneln sich: Die Alternative für Deutschland hängt Plakate auf oder hält einen Stand ab. Eine oder mehrere Personen wenden sich dagegen, hängen die Plakate ab, werfen AfD-Materialien weg oder stören Kundgebungen mit Zwischenrufen. Sofort reagieren die AfD-Wahlkämpfer und greifen an.

In Bonn greift ein Wahlkämpfer der Partei eine Frau an, die Flyer von einem Wahlkampfstand auf den Boden geworfen hatet. In einem Blogeintrag beschreibt sie, wie sie unvermittelt an ein Auto gedrückt wurde und der Angreifer sie mit Schlägen und Tritten malträtierte (siehe hier).

Im April bedrohte ein anderer Wahlkämpfer der AfD in Bochum einen jungen Mann mit einer Schreckschusspistole, nachdem dieser sich im Vorbeifahren über deren Plakathängungen beschwert hatte. Der AfD’ler verfolgte den Mann und bedrohte ihn mit vorgezogener Waffe an einer Straßenkreuzung (siehe hier).

In Dresden attackierte ein Ordner der Alternative für Deutschland eine junge Frau, die sich an den Protesten gegen eine Kundgebung beteiligte. Er packte sie an der Kehle und warf sie so zu Boden, so dass sie nachhaltige Bewegungseinschränkungen davon erfuhr. Die junge Frau entpuppte sich allerdings als Bundessprecherin der Grünen Jugend, weshalb diese Attacke wenigstens einigermaßen prominent auf deren Webseite angeprangert wird. Die anwesende Polizei zeigte keine Reaktion. (siehe facebook und Webseite)

Die „Antifaschistische Linke Münster“ berichtet ausführlich, wie ein Wahlkampfstand von der AfD von mehreren Bewachern beschützt wird, die Gegendemonstrierende eingeschüchtert und einen Journalisten bedroht haben. Unter ihnen sollen sich zwei einschlägig als Neonazis bekannte Personen befunden haben (siehe hier).

In Magdeburg bedrohen mehrere Männer eine Gruppe von Menschen, die „sich um ein Wahlplakat aufhielten“. Sicher wollten sie sich dieses nicht einfach so mal aus der Nähe anschauen, aber die Reaktion der AfD’ler grenzt stark an Selbstjustiz. Die Menschengruppe wurde von aus Autos springenden Personen mit Baseballschlägern und sogar einem Messer in Schach gehalten. Während auf sie eingeschlagen wurde und immer wieder ernsthafte Drohungen ausgestoßen wurden, kamen weitere AfD’ler hinzu, die die Opfer abfotografierten. Auch hier soll sich mindestens ein bekannter Neonazi unter den AfD-Schlägern befunden haben (siehe hier).

Am 10. Mai rastete dann ein Ordner der AfD bei einer Wahlkampfveranstaltung in Erfurt aus, als er Gegendemonstrierende angriff, um sich trat und dabei einer jungen Demonstrantin ins gesicht traf (siehe hier).

Derweil versuchen Unterstützende der Partei sich als Opfer zu inszenieren und bemühen sich um perfide und geschmacklose Vergleiche. Antifaschist*innen werden mit Nazis gleichgesetzt und die Angriffe auf AfD Wahlstände und -plakate mit der Judenverfolgung im dritten Reich (siehe hier).

Angriffe auf Menschen, die Wahlkampf betreiben, sind definitiv nicht in Ordnung. Gewaltlose Aktionen dagegen sind Bestandteil einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaftsordnung. Wenn die Alternative für Deutschland Gewalt gegen Menschen als angemessene Reaktion auf Gegenproteste ansieht und offensichtlich von gewaltbereiten Personen, auch aus dem neonazistischen Spektrum, unterstützt wird, dann macht das deutlich, welchen Überzeungen die Ideologie der AfD ein Zuhause bieten kann. Die Partei sollte sich schnellstens von diesen Gewalttaten distanzieren und ein anderes Auftreten an den Tag legen. Sonst sind nicht nur die Anstichten der AfD zu sozialer Gerechtigkeit, Nationalismus und anderen Positionen mehr als bedenklich, sondern auch ihr Verhältnis zur Gewalt.

Wenn ihr von Übergriffen durch AfD-Menschen mitbekommt und Artikel findet, könnt ihr sie gerne einschicken, damit sie ebenfalls gelistet werden können.

Dein Handy ist so gut wie neu? Vodafone schenkt dir ein neues!

Ein Stück der Absurdität des modernen Kapitalismus in 3 Akten

A k t   1

Kaum ist ein Telefon neu, ist es schon wieder alt

Es ist ja auch eine Zumutung. Da kauf ich mir ein neues Telefon, benutzt es ein Jahr lang ohne dass es kaputt geht und noch völlig intakt ist und dann zwingt mich die blöde Smartphone-Industrie durch ihre ständigen Neuentwicklungen mir spätestens ein Jahr später ein Neues zu kaufen. Ich kann ja nicht mit 12-Monate alter Technik herumlaufen, ich will doch up to date sein!

Bis jetzt war das immer eine sehr lästige oder teure Angelegenheit, schließlich lässt mein Vertrag nur alle zwei Jahre ein neues Telefon zu. Viel zu lange bei den ganzen schönen neuen Geräten, die in der Zwischenzeit wieder auf den Markt gekommen sind. Mein Telefon ist schließlich nicht nur ein Arbeitsgerät, es ist ein Statussymbol und genau wie ich angekommen bin im ständigen up to date – Modus der Moderne, soll das mein Handy auch sein!

A k t  2

Rettung naht – Vodafone bringt NEXTPHONE!!!!!

Die ganze Welt, inklusive Autobahn, ist ein Abenteuerspielplatz, den ich hechelnd mit dem neuesten Smartphone in der Hand voll abfeiern kann

Aber Vodafone hat jetzt die Rettung! Vertraglich zugesichert kann ich mir jetzt jedes Jahr ein neues Telefon aussuchen! Vorausgesetzt mein altes ist noch vollkommen intakt und kann noch weiter benutzt werden. Eigentlich absurd, denn wenn etwas noch funktioniert, bräuchte ich ja eigentlich keinen neuwertigen Ersatz. Aber das kann mir völlig egal sein, denn es kommt ja nicht darauf an, ob ein Telefon noch funktionsfähig ist, sondern wie up to date es ist.

Vodafone ist dann so nett und benutzt mein altes Handy als Austauschgerät. Das heisst, wenn Menschen neuwertige aber kaputte Geräte haben, bekommen sie mein neuwertiges und nicht kaputtes Gerät, bis ihr neuwertiges dann nicht mehr kaputt ist. Das ist praktisch ein Recycling-Kreislauf. Dass Handys größtenteils so gebaut sind, dass sie überhaupt erst so leicht kaputt gehen und eingeschickt werden müssen, statt vor Ort einfach die kaputten Einzelteile austauschen zu können, interessiert mich genauso wenig wie die Tatsache, dass auch mit diesem Umstand wahrscheinlich nie soviele Geräte kaputt gehen und ausgetauscht werden müssen, wie an jährlichen „NextPhone-Telefonen“ zu Vodafone zurückkommen. Aber darüber mach ich mir gar keine Sorgen, denn als Konsument gilt für mich selbstverständlich nur eins: up to date!

A k t  3

Aber ein Problem hab ich dann doch – das ist ja viel zu teuer! Und Vodafone ist gemein!

Zum Glück gibt es noch engagierte Personen, die in Kommentaren auf Vodafones Blog auf ein immenses Problem hinweisen. NextPhone ist viel zu teuer!

Besorgter Konsumist weist auf beunruhigendes Problem hin

Besorgter Konsumist weist auf Vodafones Blog auf beunruhigendes Problem hin…

...und steht als sprichwörtliche Stimme der Vernunft nicht allein da!

…und bleibt als sprichwörtliche Stimme der Vernunft zum Glück nicht der Einzige!

Und dann löscht Vodafone auch noch diese und andere kritische Beiträge auf ihrem Blog, die auf die maßlose Abzocke hinweisen und dem Konzern an die Kehle springen wollen! Gut, dass beherzte Blogschreibende den Verrat wittern, die Verschwörung aufdecken und die Welt über diesen Skandal aufklären (siehe hier)!

Der Blog mobilenote als Vorkämpfer in Sachen Meinungsfreiheit!

Der Blog mobilenote als Vorkämpfer in Sachen Meinungsfreiheit!

Ganz besonders beherzt berichtet smartdroid über Vodafones hinterlistiges Spiel. Unter der schmerzhaft investigativen Titelzeile „Vodafone unterdrückt Kritik zur NextPhone-Option“ prankt ein riesiges Logo von Vodafone, um dem Konzern noch den letzten Rest Kritik in den Hals zu drücken! Der wird sich über diese gratis Werbeeinblendung bestimmt tot ärgern (das ganze Vergnügen hier).
Zum Glück entschuldigt sich Vodafone bei seinen Kunden und Kundinnen und stellt die gelöschten Kommentare wieder her! Die wichtige Vertrauensbeziehung zwischen Konzern und Konsumierenden scheint wieder hergestellt! Jetzt habe ich auch wieder Lust, mit dem coolen Telefon-Recycling-Tarif von Vodafone mega up to date zu sein!

Vodafone entschuldigt sich und die Welt kann wieder ein Abenteuerspielplatz sein...

Vodafone entschuldigt sich und die Welt kann wieder ein Abenteuerspielplatz sein…

 E p i l o g

Ein Hinterwäldler versteht aber offenbar den ganzen Sinn nicht, der hinter der super Idee von Vodafone steckt. Statt dem totalen trendigen und längst überfälligem Tarifeinfall Beifall zu spenden (und maximal kritische Fragen zu den Kosten zu stellen), erdreistet sich dieses Individuum, eine GENERALKRITIK an dem Einfall und der Umsetzung des jährlichen Handy-Neutauschs anzubringen!

Besorgter User versteht die Vorteile nicht, die sich ihm bieten und sieht nur das Negative

Besorgter User versteht die Vorteile nicht, die sich ihm bieten. Für ihn gibt es keinen Abenteuerspielplatz.

Entschuldigung, Besorgter User. Du scheinst die Zeichen der Zeit nicht richtig zu deuten, du siehst nicht was für unbegrenzte Möglichkeiten sich bieten, wenn man Ressourcenverschwendung, Umweltverschmutzung, Arbeitsausbeutung und die anderen lästigen Problemchen ignoriert. Du bist leider überhaupt nicht up to date.