Ein grausam gemütlicher Sommerabend

Eine kurze Geschichte über einen gemütlichen Sommerabend

Gemütlicher Sommerabend im Garten // CC „Godolphin7“ by waterborough/Wikimedia Commons

Ein Schmetterling fliegt durch meinen Vorgarten, die letzten Sonnenstrahlen kitzeln an den Blumenblüten und ich sitze gemütlich mit einem Tee in der Hand auf meiner Terrasse. Es ist ein schöner Sommerabend. Von Weitem scheint jemand zu schreien, aber ich höre es gar nicht so richtig, das Radio ist zum Glück so laut. Das Lied, das ich zu hören bekomme, ist zwar nicht unbedingt mein Lieblingslied, aber es gefällt mir.
Die Rosen müssten mal wieder geschnitten werden, denke ich mir, und morgen müsste ich mich um meinen Wagen kümmern. Letzte Woche hatte ich einen kleinen Unfall, seither klafft eine hässliche Schramme an meiner Stoßstange. Schon wieder höre ich einen Schrei, was das wohl sein mag? Ich dreh das Radio ein wenig lauter. In zehn Minuten kommt meine Lieblingscomedy-Show, darf ich auf keinen Fall verpassen. Vielleicht geh ich noch schnell in die Küche und mache mir noch schnell ein Sandwich.

Dort angekommen, schaue ich kurz aus dem Fenster. Die Geranien müssten mal wieder gegossen werden. Ist das da ein Hand, die durch den Zaun fässt? Zum Glück ist sie gleich wieder weg, am Ende war es irgendein Einbrecher!? Gott sei Dank hat offenbar gleich einer der Wachleute für Ordnung gesorgt.
Ich suche mir aus dem Kühlschrank die Utensilien für mein Sandwich zusammen und hole das Brot aus dem Regal. Schon wieder kommt von irgendwo ein Schrei, so langsam kann das aber auch mal aufhören. Wenn ich gleich meine Lieblingsshow höre, will ich nicht ständig von irgendwelchen Rufen gestört werden. Ich nehm den Telefonhörer ab und rufe bei meinen Wachleuten an. Ob sie denn bitte mal für Ruhe da im Vorgarten sorgen könnten, frage ich sie höflich. Sie tun ihr Bestes, sagen sie, aber hier seien viele, die versuchen würden, zu mir zu kommen. Wie schrecklich, denke ich mir. Am Ende kommen die noch alle in mein Haus, wollen mich überfallen und an mein Geld. Es schüttelt mich.

Vor meinem Grundstück habe ich einen Zaun und Wachtürme für meinen Schutz aufgestellt // CC Miguel González Novo/Wikimedia Commons

Ich sage dem Wachmann, dass sie aufpassen und nur wichtige Gäste hereinlassen sollen. Was mit Menschen sei, die Hilfe benötigen, fragt der zurück? Ich antworte ihm, dass wir dafür die Liste mit den Bedingeungen haben, die jeder erfüllen muss, damit er von mir Hilfe bekommt. Ansonsten kämen noch die hinein, die gar keine Hilfe bräuchten, sondern mir nur ans Leder wollen. Mit mir nicht, ich bin gewappnet für euch Parasiten. So wie ich die Liste gemacht habe, erfüllen sowieso nur noch die wenigsten die Voraussetzungen und können hier rein. Der Rest kann schön da draussen bleiben.

Während ich mit meinem gemachten Sandwich in der Hand wieder auf die Terrasse gehe um meine Lieblingssendung zu hören, stirbt gerade vor meiner Hecke der fünfte Mensch, der aus seinem Haus geflohen ist, um bei mir Hilfe zu bekommen. Es ist weiterhin ein schöner Sommerabend.

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