Hilferuf: Wandbilder im Ausverkauf! Wie Konzerne urbane Kunst zerstören

Berlin hatte mal etwas von einem urbanen Abenteuerspielplatz. Künstler*innen verewigten sich mit ihren Werken an den verschiedensten Orten im öffentlichen Raum, besetzte Häuser waren über die halbe Stadt verteilt und die Bevölkerung setzte sich aus Menschen unterschiedlichster Couleur zusammen.

Die besetzten Häuser sind fast alle geräumt, die wenig übrig gebliebenen legalisiert, die Bevölkerung wird langsam aber sicher in Arm und Reich eingeteilt und Kunst im öffentlichen Raum fällt immer mehr der Privatisierung zum Opfer. Konzerne bedienen sich dabei eines sehr beliebten Mittels im kapitalistischen Wettbewerb – Übernahme. So wie viele vormals bereits mit anderen antikommerziellen Stilen und Typen geschehen, integrieren sie die Kunst an den Wändern dieser Stadt einfach in ihr Repertoire und funktionieren die unkommerzielle Kunst in etwas Geld bringendes um, nämlich in Werbung. Sie zerstören damit buchstäblich den unkommerziellen Gedanken von Street Art und nutzen eine vorher freie Form der Nutzung des öffentlichen Raumes für ihre Verkaufsstrategie. Aber ganz von Anfang.

Street Art an Hauswänden

Mit Farbrollen lassen sich riesige Sprüche, Symbole oder auch nur Worte an Wände malen.

Am Ostkreuz // CC urbanartcore.eu

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Am Ostbahnhof // CC-BY-SA-NC greenythekid

Mit mehr Aufwand lassen sich aber auch ganze Kunstwerke an Wänden machen.

In Hamburg // CC-BY Gerd Richter/wikipedia.org

 

An der Cuvrybrache, Wandbilder sind gefährdet // friedrichshain-blog.de

 

Brückenstraße // case_maclaim

Und was die Konzerne draus machen

Diese Form der Nutzung des öffentlichen Raumes machen sich nun die Konzerne zu eigen. Sie mieten sich eine riesige Fläche und malen im Stil der Streetartists ihre Werbung darauf. Dabei muss zumindest bei der Werbung eines Sportartikelherstellers zweimal hingeschaut werden, um sein Logo erkennen zu können.

Erst beim zweiten Blick fällt das Logo des Konzerns auf // CC-BY-SA OTFW/wikipedia.org

Bilder wie dieses finden sich immer mehr in Berlin Ein Getränkeproduzent ist auf den Zug mit aufgesprungen und hat sogar den amateurhaften Touch, den ein Satz mit dem großflächigen Malen mit einer Farbrolle erhält, imitiert. Erst ein Blick auf die Webseite verrät, dass der Satz Teil der Marketingkampagne ist und nicht zufällig von anderen dorthin geschrieben wurde.

Ist der Spruch Teil der Werbung oder freie Street art? // CC-BY-SA-NC greenythekid

Nicht nur, dass die Konzerne den ursprünglich antikommerziellen und kritischen Gedanken von Street Art missbrauchen, sie arbeiten teilweise sogar gezielt dagegen an.

An der besetzten KØPI137 zwischen der Thomaskirche in Kreuzberg und der Jannowitzbrücke in Mitte stand bis vor einigen Monaten noch ein Spruch, der zum Denken anregt: „Die Grenze verläuft nicht zwischen oben und unten, sondern zwischen Dir und mir.“ Dazu besaß dieser Spruch sogar noch seine ganz eigene Geschichte. Ein Sportartikelhersteller hat diesen einfach mit seiner eigenen Werbung übermalt.

Zu überfordernd für den Kapitalismus? Spruch an einer Hauswand in Kreuzberg….

 

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…und was der Konzern daraus gemacht hat.


Es geht auch andersherum

Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel aus Friedrichshain. Antifa-Streetartists legten Hand an eine Werbung für ein bald erscheinendes Album und dabei kam das heraus:

Hier noch zwei sehr interessante Artikel zu der Thematik. Der erst handelt vom Widerstand gegen die Wandwerbung eines Konzerns: http://www.berliner-zeitung.de/berlin/wandkunst-in-kreuzberg-gefaehrdet-berliner-wehren-wandwerbung-ab,10809148,27315976.html

Und der zweite vom Widerstand von Streetartists in Berlin: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/street-art-und-kommerz-muedes-eigentor-mit-flotter-sohle-a-619163.html

Kreativer Widerstand kennt keine Grenzen 🙂

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