Fotos vom Gedenken in Dessau zum 10.Todestag von Oury Jalloh

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Antirassistische Gedenkdemonstration

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Städtische Gedenkveranstaltungimage

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Arbeitsausbeutung bei der Mall of Berlin und wie Menschen darauf reagieren (sollten)

Protest vor der Mall of Berlin: „Bezahlt die Arbeiter!“ // CC-BY-SA-NC greenythekid

Letzten Freitag hat es Protest rund um die Mall of Berlin gegeben, bei dem die Ausbeutung von Arbeitern beim Bau des Einkaufszentrums kritisiert wurde. Subunternehmer hatten Arbeiter zuerst zu unhaltbaren Bedingungen angestellt und anschließend Lohnzahlungen verweigert. Einfluss auf diese Situation können auch die Besucher*innen des Einkaufszentrums nehmen und den Mall-Betreiber auffordern zu handeln. Während die Proteste liefen, habe ich einige Passant*innen am Rand angesprochen und gefragt, was sie von den Protesten halten und ob sie für sich Konsequenzen aus den Arbeitsausbeutungen ziehen. Die prägnanstesten Reaktionen habe ich hier mal aufgelistet:

Junge Hilfsangestellte im Einkaufszentrum: „Ich bekomme das nicht mit, mit mir wird ja gut umgegangen. Ich find das natürlich nicht okay, aber was soll ich schon machen.“

Älterer Herr blickt auf die Demonstration: „Die sollen arbeiten gehen!“
Darauf hingewiesen, dass unbezahlte Arbeit Anlass der Demonstration wäre, sagt er dann: „Ist ja richtig, aber ich guck ja hier nur, ich kauf ja nicht ein. Was soll ich denn schon protestieren, ist ja nicht meine Sache.“

Gruppe von vier Jugendlichen: „Das ist natürlich nicht in Ordnung, aber wir sind heute ja auch reingegangen. Aber man geht schon mit einem schlechteren Gewissen rein.“

Junge Besucherin des Einkaufszentrums: „Es gibt ja so wenige Alternativen.“

Älteres Pärchen: „Deshalb gehen wir unseren Kaffee jetzt auf der anderen Seite trinken.“

Konsequenzen ziehen kann so einfach sein

Die Kommentare zeigen, dass sich Menschen tendenziell unwohl mit der Situation fühlen, vor eigenen Konsequenzen meist aber zurückschrecken. Sei es aus Bequemlichkeit und Ignoranz oder Unwissenheit nach Alternativen. Dabei ist es in diesem Fall besonders leicht: eine Mail oder ein Anruf bei dem Einkaufszentrum kann schon einiges bewirken, denn wenn das viele machen, sieht sich der Betreiber irgendwann gezwungen zu handeln. Das schärfste Mittel ist die Mall of Berlin zu meiden. Allerdings stellt sich dann bei den anderen Einkaufszentren natürlich die Frage, unter welchen Bedingungen die dort angebotene Kleidung, Schokolade oder Elektronik hergestellt wurde. Leider findet in den meisten konventionellen Produktionsprozessen an irgendeiner Stelle Ausbeutung statt.

Alternative Möglichkeiten zum konventionellen Konsum

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten zu konsumieren. Die simpelsten sind second hand und fair trade einzukaufen, bei beiden werden die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse nicht unterstützt. Wenn dann doch konventionell eingekauft wird, bietet es sich an, den jeweiligen Betrag als Art Ausgleichszahlung an eine Initative zu spenden, die sich für sozial nachhaltige Arbeitsverhältnisse einsetzt, z.B. dem Südwind-Institut. In jedem Fall sollte dann aber an der Kasse nach den Arbeitsbedingungen gefragt und deutlich gemacht werden, dass man sich an der Stelle mehr Transparenz und Fairness wünscht. Nichts fürchten Firmen und Geschäfte mehr, als mündige und kritische Verbraucher*innen, denn dann sind sie meistens spätestens gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken.

Kurzbericht Come together plenum/Vollversammlung Refugeeprotest Berlin

Come together - Am Eingang die Einladung zum Meeting

Come together – Am Eingang die Einladung zum Meeting

Am gestrigen Mittwoch haben sich circa 100 Refugees und Supporter*innen in der Regenbogenfabrik zu einem Netzwerktreffen versammelt. Über fast drei Stunden haben sich mehrere Gruppen mit ihren Aktivitäten aus den vergangen Monaten vorgestellt, Termine angesagt und um Unterstützung gebeten. Die Masse an Gruppen und Informationen hat den Rahmen so sehr gesprengt, dass keine Zeit mehr für die gemeinsame Diskussion über den weiteren Verlauf des Protestes gegeben hat. Die Orga-Gruppe hatte zu Beginn des Treffens gebeten, keine Fotos von dem Meeting zu machen.

Die wichtigsten Infos für mich waren, dass es zukünftig ein regelmäßiges Come together – Plenum geben soll. Das nächste am 20. November, für das es zwar noch keinen Ort, dafür aber eine Menge an Themen gibt.

Die Regenbogenfabrik in Kreuzberg bot den ungefähr 100 Teilnehmenden die Räumlichkeit

Die Regenbogenfabrik in Kreuzberg bot den ungefähr 100 Teilnehmenden die Räumlichkeit

Davor gibt es vom 14. – 16. November eine ganze Refugee-Konferenz im Berliner Mehrhinghof, auf der es ebenfalls um eine Vernetzung und Austausch der verschiedenen Protestgruppen gehen wird.

Während des Treffens wurde eine Liste von den anwesenden und aktiven Gruppen erstellt. Auf diese Weise wird es in Zukunft leichter sein einen Überblick über die verschiedenen Aktivitäten des Protestes gewinnen zu können.

Die Refugees aus der Gürtelstraße suchen nach Unterkünften, die bisherigen können von der Kirche nicht mehr angeboten werden. Diese hatte dem das Senat das Angebot gemacht, die Bedingungen vor Ort zu begutachten. Der Senat hatte dieses Angebot allerdings nicht wahrgenommen. Eine anwesende Pastorin wies darauf hin, dass sie und die Gemeinden eine weitere Kirchenbesetzung organisatorisch nicht mehr stemmen könnte.

Es wurde schnell klar, dass die Räumung des DGB-Hauses längst nicht verarbeitet ist. Refugees zeigten sich durch die Bank bestürzt über das Verhalten der Dachgewerkschaft, einzelne Gewerkschaftsmitglieder bekundeten auf dem Treffen ihre Solidarität und kritisierten den DGB. „Das Gewerkschaftshaus gehört uns und nicht den Gewerkschaftsbürokraten.“, wie einer am Mikrofon sagte. Er lud die Anwesenden zu einem Treffen am Montag, den 13.11.2014 zu einem Vernetzungstreffen zwischen interessierten Gewerkschafter*innen und Refugees. Das Treffen soll ab 18.30 Uhr im Mehringhof stattfinden.

Klarer Auftrag: nächstes Treffen am 20.November

Klarer Auftrag: nächstes Treffen am 20.November

Einzelne Refugees sprachen kurz die Zukunft des Protestes an. Gegen Ende wurde eine Stimme laut, die die Frage stellte, was die verschiedenen Besetzungen eigentlich gebracht hätten. Waren es effektive Unterstützungen für die Bewegung oder haben sie im Endeffekt nur unnötige Repression und schlechte Publicity gebracht?

Es wurde auch gesagt, dass der Protest nicht die einzige Möglichkeit der Bewegung bleiben sollte. Nachdem in den letzten Jahren und Monaten viel in dieser Richtung passiert sei, müsse es jetzt darum gehen, konkret die Gesetzeslage zu beeinfluss. Wie das genau passieren soll, wird eventuell auf einem der nächsten Treffen besprochen.

Ein grausam gemütlicher Sommerabend

Eine kurze Geschichte über einen gemütlichen Sommerabend

Gemütlicher Sommerabend im Garten // CC „Godolphin7“ by waterborough/Wikimedia Commons

Ein Schmetterling fliegt durch meinen Vorgarten, die letzten Sonnenstrahlen kitzeln an den Blumenblüten und ich sitze gemütlich mit einem Tee in der Hand auf meiner Terrasse. Es ist ein schöner Sommerabend. Von Weitem scheint jemand zu schreien, aber ich höre es gar nicht so richtig, das Radio ist zum Glück so laut. Das Lied, das ich zu hören bekomme, ist zwar nicht unbedingt mein Lieblingslied, aber es gefällt mir.
Die Rosen müssten mal wieder geschnitten werden, denke ich mir, und morgen müsste ich mich um meinen Wagen kümmern. Letzte Woche hatte ich einen kleinen Unfall, seither klafft eine hässliche Schramme an meiner Stoßstange. Schon wieder höre ich einen Schrei, was das wohl sein mag? Ich dreh das Radio ein wenig lauter. In zehn Minuten kommt meine Lieblingscomedy-Show, darf ich auf keinen Fall verpassen. Vielleicht geh ich noch schnell in die Küche und mache mir noch schnell ein Sandwich.

Dort angekommen, schaue ich kurz aus dem Fenster. Die Geranien müssten mal wieder gegossen werden. Ist das da ein Hand, die durch den Zaun fässt? Zum Glück ist sie gleich wieder weg, am Ende war es irgendein Einbrecher!? Gott sei Dank hat offenbar gleich einer der Wachleute für Ordnung gesorgt.
Ich suche mir aus dem Kühlschrank die Utensilien für mein Sandwich zusammen und hole das Brot aus dem Regal. Schon wieder kommt von irgendwo ein Schrei, so langsam kann das aber auch mal aufhören. Wenn ich gleich meine Lieblingsshow höre, will ich nicht ständig von irgendwelchen Rufen gestört werden. Ich nehm den Telefonhörer ab und rufe bei meinen Wachleuten an. Ob sie denn bitte mal für Ruhe da im Vorgarten sorgen könnten, frage ich sie höflich. Sie tun ihr Bestes, sagen sie, aber hier seien viele, die versuchen würden, zu mir zu kommen. Wie schrecklich, denke ich mir. Am Ende kommen die noch alle in mein Haus, wollen mich überfallen und an mein Geld. Es schüttelt mich.

Vor meinem Grundstück habe ich einen Zaun und Wachtürme für meinen Schutz aufgestellt // CC Miguel González Novo/Wikimedia Commons

Ich sage dem Wachmann, dass sie aufpassen und nur wichtige Gäste hereinlassen sollen. Was mit Menschen sei, die Hilfe benötigen, fragt der zurück? Ich antworte ihm, dass wir dafür die Liste mit den Bedingeungen haben, die jeder erfüllen muss, damit er von mir Hilfe bekommt. Ansonsten kämen noch die hinein, die gar keine Hilfe bräuchten, sondern mir nur ans Leder wollen. Mit mir nicht, ich bin gewappnet für euch Parasiten. So wie ich die Liste gemacht habe, erfüllen sowieso nur noch die wenigsten die Voraussetzungen und können hier rein. Der Rest kann schön da draussen bleiben.

Während ich mit meinem gemachten Sandwich in der Hand wieder auf die Terrasse gehe um meine Lieblingssendung zu hören, stirbt gerade vor meiner Hecke der fünfte Mensch, der aus seinem Haus geflohen ist, um bei mir Hilfe zu bekommen. Es ist weiterhin ein schöner Sommerabend.